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Trust in IT – Münchner Kreis stellt Cloud Computing die Vertrauensfrage

(ef)

08.02.2010 12:08

In wachsendem Maße bedienen sich Unternehmen und Konsumenten der Angebote externer Dienstleister, wenn es um IT-Infrastruktur und aktuelle Softwareanwendungen geht. Diese werden heute unter dem Schlagwort Cloud Computing dezentral über das Internet angeboten und nach Bedarf genutzt.

Mit diesem Trend setzte sich der Münchner Kreis auf einer Konferenz mit rund 140 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auseinander. „Spätestens wenn geschäftskritische, sensible Daten eines Unternehmens oder auch private Daten im Internet preisgegeben werden, stehen dringende Fragen zu Sicherheit, Verfügbarkeit und vor allem zum Vertrauen im Raum“, sagte Prof. Arnold Picot, Vorstandsvorsitzender des Münchner Kreises zu Beginn der Veranstaltung.

Wie sich auf der Konferenz quasi als roter Faden zeigte, bestehen derzeit größte Bedenken gegenüber dem Cloud Computing hinsichtlich des Datenschutzes und der Datensicherheit. Es sei in erster Linie Frage des Vertrauens, brachte Dr. Guido Möllering vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln in einem bemerkenswerten nichttechnischen Vortrag das Thema auf den Punkt.

Die besondere Problematik des Vertrauens im Cloud Computing lasse sich erschließen, indem man die Rede von der „Internet-Wolke“ einmal als Bild ernst nimmt und sich vorstellt, wie es ist, wenn man mit dem Flugzeug in eine Wolke fliegt, als Wanderer im Gebirge von einer Wolke eingeschlossen wird oder mit dem Auto in den Nebel fährt. Man sieht dann kaum noch die anderen Akteure und was sie tun; man verliert gar die Orientierung und kann sich nur mit großer Vorsicht bewegen; und man sucht nach Orientierungspunkten.

Mit Radar, GPS und Nebelscheinwerfern wird die Situation dank technischer Hilfsmittel um einiges ungefährlicher. Jedoch bleibt die Sorge, dass andere Akteure fahrlässig oder gar böswillig im Nebel unterwegs sein könnten. Ohne Vertrauen, müsste man wohl auf der Stelle stehen bleiben und wäre selbst dann nicht in Sicherheit. Oder man müsste jede Wolke und jede Nebelbank meiden – und alle Chancen, die darin liegen, verpassen.

„Es werde daher“, so Möllering, „im Cloud Computing über alle Bemühungen um fehlerfreie Technologien, lückenlose Rechtsapparate, konsequente Aufsichtsinstanzen und vorsorgliche Versicherungen hinaus immer nötig sein, dass die Beteiligten Verantwortung für das System tragen – auch über ihre individuellen Verpflichtungen hinaus. Geschieht dies, werden sich viele weitere Akteure in die Wolke hineinwagen“.

Der Standpunkt des Juristen beleuchtete Dr. Alexander Duisberg von der Rechtsanwaltskanzlei Bird & Bird . „Aufgrund der technischen Verknüpfung dezentral organisierter Rechnerleistungen wird es in Zukunft immer weniger nachvollziehbar, zu welchem Zeitpunkt an welchem Standort und nach welcher Rechtsordnung IT-Leistungen erbracht werden“. Vor diesem Hintergrund müsse sich der Cloud-Nutzer fragen, welche Daten er überhaupt in die Cloud hineingeben oder auslagern dürfe.

Prof. Gunter Dueck von IBM Deutschland äußerte die Überzeugung, dass sich das Vertrauen in Cloud Computing langsam einstellen wird: „Die IT selbst kann die Entwicklung beschleunigen oder verzögern, je nachdem wie schnell sie die Anforderungen der Kunden und deren Wünsche nach einheitlichen Standards und transparenten Preisen erfüllt“. (Rudi Kulzer)


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